Zahnärztekammer Schleswig-Holstein - Pressemeldung

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49. Fortbildungstagung der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein eröffnet

Mehr als 1.100 Teilnehmer begrüßte Hans-Peter Küchenmeister, Präsident der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein, anlässlich der Eröffnung der diesjährigen Fortbildungstagung der Zahnärzte in Westerland/Sylt.

Das neue Congress Centrum Sylt (CCS) hat seine erste große Bewährungsprobe bestanden: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der alljährlich größten Westerländer Tagung zeigten sich von den neuen Räumlichkeiten angetan. „Wir gratulieren der Stadt Westerland zu dem gelungenen Umbau des Kongresszentrums", lobte auch Hans-Peter Küchenmeister, Präsident der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein. Diese hält in dieser Woche zum nunmehr 49. Male ihre Fortbildungstagung in der Inselmetropole ab.

Zahnärzte und Praxisteams aus dem gesamten Bundesgebiet und vereinzelt sogar aus dem benachbarten Ausland reisten nach Sylt, um sich diesmal mit dem Thema „Zahnerhalt durch Endodontie" zu beschäftigen. Noch bis Freitag werden 17 namhafte Referenten ihr Wissen in zahlreichen Vorträgen und Workshops an die Zahnärzteschaft weitergeben. Neues aus Forschung und Praxis offerieren auch die Dentalaussteller, deren Stände sich im Foyer des CCS befinden.

„Ich freue mich über den anspruchsvollen Rahmen dieser Fortbildung", betonte der Kammerpräsident, der in seiner Eröffnungsrede einen Gast besonders herzlich begrüßte: Der neue Inspizient für Zahnmedizin der Bundeswehr, Flottenarzt Dr. Wolfgang Barth, nimmt erstmalig an der Tagung teil, die bundesweit einen hohen Stellenwert genießt.

Westerlands Bürgervorsteherin Gerda Wimmer verwies auf die umfangreichen städtebaulichen Investitionen der vergangenen Jahre: „Wir haben rund 17 Millionen Euro in die Umgestaltung der Innenstadt gesteckt." Zugleich stellte die Rednerin für das Jubiläum im kommenden Jahr einen gebührenden Empfang in Aussicht. Vom 5. bis 9. Mai 2008 wird sich die 50. Fortbildungstagung dem Thema „Zahnmedizin – die Zukunft hat schon begonnen" widmen.

Zahnärzte kritisieren Gesundheitssystem und Krankenkassen

Der Auftakt zur alljährlichen Fortbildungstagung der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein stellt stets auch einen „politischen Aschermittwoch" dar. Und so machten die Redner auch diesmal aus ihrer Kritik am Gesundheitswesen keinen Hehl. „Wir müssen uns gegen die Radikalisierung des Sozialstaates behaupten", appellierte Kammerpräsident Hans-Peter Küchenmeister an die Zuhörer.

Im Zentrum der Kritik: Die Krankenkassen und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Ihr warf Küchenmeister vor, die private Krankenversicherung zerstören zu wollen. „Entartete Gesetze" sollten ganz offenbar zu einer „Einheitsmedizin und Verstaatlichung" führen. Den Krankenkassen lastete der Kammerpräsident an, in einen Wettbewerb „um die geringste Leistung für die Versicherten und die geringsten Honorierungen für die Heilberufe" eingetreten zu sein. „Die neueste Masche der gesetzlichen Krankenkassen: Es wird versucht, den gesetzlichen Privatpatienten zu schaffen – mit dieser Vernebelungstaktik wird kurzerhand in die freie Wirtschaft eingegriffen, und das mit staatlichem Schutz und steuerfrei."

Die Auswirkungen einer fatalen Entwicklung im Gesundheitswesen seien bereits sichtbar, verdeutlichte Küchenmeister: „In den Zahnarztpraxen macht sich Unbehagen breit. Eine aktuelle Umfrage unserer Kammer in schleswig-holsteinischen Zahnarztpraxen ergab, dass sich 75 Prozent der Befragten verunsichert fühlen, zwei Drittel vermeiden derzeit Investitionen."

Schützenhilfe erhielt Hans-Peter Küchenmeister vom Vizepräsidenten der Bundeszahnärztekammer: „Die Politik weigert sich, Fakten anzuerkennen und verwickelt sich lieber in endlose Diskussionen", rügte Prof. Dr. Wolfgang Sprekels. Und auch Dr. Peter Kriett, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Schleswig-Holstein, sparte nicht mit Kritik: „Unser Vertrauen in das politische Handeln schwindet zunehmend. Man gewinnt gar den Eindruck, dass hier die Atomisierung eines Berufsstandes betrieben wird."

Fachvortrag zum Klimawandel: „Deutschland ist nicht glaubwürdig"

Steht die Welt vor einer Klimakatastrophe? Aufklärung zu dieser existentiellen Frage erhofften sich die Teilnehmer der Fortbildungstagung der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein von einem der führenden Klimaforscher Deutschlands. Professor Dr. Mojib Latif vom Kieler Institut für Meereswissenschaften mochte nichts beschönigen: „Es erwartet uns eine Herkulesaufgabe." Bis zum Jahr 2100 sei mit einem Anstieg des Meeresspiegels um 30 bis 140 Zentimeter und mit einer Temperaturerhöhung um bis zu vier Grad zu rechnen.

„Da das Klima zeitverzögert reagiert, werden die Auswirkungen unseres heutigen Verhaltens erst noch zum Tragen kommen", erläuterte Latif und gab dafür ein prägnantes Beispiel: „Auch wenn die Menschheit ab morgen keinerlei Treibhausgase mehr produzieren würde, käme es bis 2100 dennoch zu einer Temperaturerhöhung von einem halben Grad." Doch selbst eine Begrenzung auf zwei Grad sei für ihn kaum realisierbar: „Dann müssten die weltweiten Emissionen um 80 Prozent reduziert werden."

Besonders fatal wirke sich die globale Erwärmung auf das Packeis aus: „Wenn die Menschheit so fortfährt, könnte Grönland im Laufe der nächsten Jahrhunderte komplett wegschmelzen, wodurch der Meeresspiegel um bis zu sieben Metern ansteigen würde." Zum Vergleich: Binnen der vergangenen 125 Jahre erhöhte sich der Pegel um 20 Zentimeter.

„Eile ist geboten", mahnte Professor Latif, doch die Realität sehe anders aus: „Die heutigen Erkenntnisse sind so neu nicht, aber konsequentes Handeln bleibt bislang aus." In Europa stehe Deutschland beim CO2-Ausstoß an der Spitze, wobei allein die Kraftwerke und der Autoverkehr etwa zwei Drittel dieses gefährlichen Schadstoffs produzieren. „Neue Energiequellen sind unumgänglich, wollen wir nicht den Ast absägen, auf dem wir alle sitzen."

Der Politik warf der Forscher vor: „Wir sind gegenüber anderen Ländern nicht glaubwürdig. Zwar sind die USA und China von der Menge her gesehen die größten Verschmutzer. Doch wenn man den CO2-Ausstoß pro Kopf betrachtet, liegt er in Deutschland dreimal so hoch wie in China."