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Die neuen Hygienerichtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI) stoßen in den Zahnarztpraxen auf Kritik. Im aktuellen Praxisbarometer der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein bewerten die Mitarbeiterinnen die Richtlinien als „zeitraubend“ und „überzogen“.
„Unsere Arbeit ist noch aufwendiger und zeitintensiver geworden. Wir sehen keinerlei Vorteile für unsere Patienten durch die neue RKI-Richtlinie“, kommentierte eine Praxisangestellte die neuen Vorschriften. Weitere Kommentare fielen noch deutlicher aus. Als „nervig“, „überzogene Bürokratie“ oder „abartige Vorschriften“ wurden die neuen Richtlinien bezeichnet.
Im Kern geht es bei der Kritik um zwei Punkte: Die Befolgung der neuen Richtlinien ist zeitaufwendig und teuer für die Praxen. Die Umstellung der Arbeitsabläufe zur Instrumentenaufbereitung bezeichneten Zweidrittel der Teilnehmer als sehr zeitraubend, nur zehn Prozent stimmten dieser Aussage nicht zu. Fast 80 Prozent halten die Dokumentation in der Sterilisation für übertriebene Bürokratie. Fast die Hälfte der Teilnehmer sagt, dass die neuen Hygienevorschriften das Praxisteam verunsichert haben.
Die Antworten auf andere Fragen zeigen, wie stark die neuen Richtlinien inzwischen den Praxisalltag bestimmen. Über 80 Prozent der befragten Praxisteams in Schleswig-Holstein wurden durch ihren Chef über die neuen Hygienerichtlinien unterwiesen. Zuvor waren die Zahnärzte flächendeckend von der Kammer unterrichtet worden. Für fast Dreiviertel der Praxen sind die neuen Verfahren der Sterilisation inzwischen tägliche Routine. Den neuen Hygieneplan von BZÄH/DAHZ mit den Arbeitsanweisungen bezeichnen über 60 Prozent der Teilnehmer als hilfreich für die Umsetzung der Richtlinien. Jede vierte Teilnehmerin hat eine Hygienefortbildung der Kammer absolviert, rund 46 Prozent an der eines anderen Veranstalters teilgenommen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmerinnen halten ein weiteres Angebot der Kammer zur Hygienefortbildung für wünschenswert.
Dr. Kai Voss, Vorstand für Praxisführung in der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein, wertete die Ergebnisse als Bestätigung des von der Kammer eingeschlagenen Wegs als Dienstleister für die Praxen. Er verwies auf die flächendeckende Unterrichtung der Praxischefs über die Richtlinien, ohne die eine 80prozentige Unterweisung der Mitarbeiterinnen durch Zahnärzte nicht möglich gewesen wäre. „Wir werden die Anregung, weitere Schulungen anzubieten, aufnehmen. Die nächsten Veranstaltungen sind bereits geplant“, sagte Voss.
Dr. Gerald Hartmann, Vorstand für Praxispersonal, sieht sich durch die Ergebnisse in der Auffassung bestätigt, dass die Diskussion um die Einführung einer Sterilgutassistentin überflüssig ist. „Das Praxisbarometer zeigt, dass die bestehenden Angebote zur Qualifikation angenommen werden. Unsere Mitarbeiterinnen setzen auf zeitnahe Qualifikation, um die steigenden Anforderungen zu erfüllen. Die Forderung nach einer Sterilgutassistentin ist an den Haaren herbei gezogen“, sagte Hartmann.