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(ZÄK SH) Parodontitis: Den Begriff hat fast jeder schon einmal gehört - aber nur die wenigsten Deutschen wissen, was sich dahinter verbirgt. Dabei ist die Entzündung des Zahnhalteapparates nicht ungefährlich und neben der Zahnkaries das häufigste Krankheitsbild in der Zahnheilkunde. Zahnärzte warnen bereits vor einer "unbekannten Volkskrankheit" und starten in diesem Monat eine breit angelegte Aufklärungsinitiative.
Es beginnt scheinbar harmlos: Das Zahnfleisch ist leicht gerötet, zeigt eine kleine Schwellung oder blutet - bakterieller Zahnbelag ist der Auslöser. Bei mangelhafter Mundhygiene dringen Giftstoffe einiger Bakterienarten in das Zahnfleischgewebe ein und verursachen eine Entzündung. Breitet sich diese Infektion bis zum Kieferknochen aus und zerstört die Fasern, die den Zahn im Knochen verankern, spricht man von einer Parodontitis. Langfristig kann dies zu Zahnlockerungen und zum vollständigen Verlust der Zähne führen.
"So weit muss es nicht kommen. Es gibt zahlreiche Warnsignale, die Patienten selbst frühzeitig erkennen können", sagt Dr. Michael Brandt, Vizepräsident und Vorstand Prävention der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein. Neben einem geröteten Zahnfleisch und Zahnfleischbluten können auch empfindliche Zahnhälse erste Anzeichen sein. "In diesem frühen Stadium hilft in aller Regel eine verstärkte Mundhygiene und eine Professionelle Zahnreinigung (PZR) beim Zahnarzt", sagt Brandt. Sind die Symptome stärker ausgeprägt ist dagegen eine Parodontaltherapie angeraten. Dabei entfernt der Zahnarzt alle bakteriellen Beläge in den Zahnfleischtaschen und beseitigt die entzündlichen Stellen. "Um auch danach vor Parodontitis geschützt zu sein, ist eine regelmäßige Vorsorge- und Erhaltungstherapie unerlässlich", rät Brandt. Dazu gehört neben der Kontrolle der Effektivität häuslicher Zahnpflege auch eine PZR beim Zahnarzt.
Bei etwa jedem zweiten erwachsenen Deutschen dürfte nach aktuellen Schätzungen eine Parodontitis vorliegen. Dennoch ist das Wissen über die Erkrankung sehr gering. Viele Menschen kennen weder die Risikofaktoren, noch Folgeerkrankungen. Eine Untersuchung des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) zeigt, dass zwei Drittel der Befragten keine Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Zahnausfall nennen können. Neben einer unzureichenden Mundhygiene gelten auch das Rauchen, ein Diabetes mellitus, hormonelle Veränderungen, Übergewicht und Stress als Risiko. Jeder dieser Faktoren kann die natürlichen Schutzmechanismen des Körpers beeinträchtigen.
Zum "Monat der Zahngesundheit" stellen die Zahnärzte die Parodontitis im Oktober in den Mittelpunkt ihrer Aufklärung. "Wir wollen das Wissen über die Parodontitis erhöhen, damit mehr Menschen vorbeugen und weniger erkranken", sagt Brandt. In den Praxen erhalten Patienten Rat von ihrem Zahnarzt und können sich in einer gemeinsamen Broschüre der Bundeszahnärztekammer und des Unternehmens Colgate informieren, wie Parodontitis entsteht und welche Risiken von ihr ausgehen. Neben Tipps zum frühzeitigen Erkennen ist auch ein praktischer Selbsttest zum Einschätzen des individuellen Risikos enthalten.
Den Patientenratgeber können Sie beziehen über Ihren Zahnarzt oder unter www.bzaek.de bzw. www.colgateprofessional.de kostenlos herunterladen.